Roberto Rufino im Radiostudio

Eine kurze Geschichte des Radios –
Hoffnungen und Enttäuschungen

In einer Zeit, in der man fast überall und rund um die Uhr mit seinem Mobilgerät wie selbstverständlich Musik hören kann, wird das kleine Wunder des Rundfunks kaum noch gewürdigt.

In der Zeit, als der Rundfunk aufkam (1922-23), war es für die Menschen etwas Erstaunliches und Aussergewöhnliches, dass man Musik hören konnte, ohne dass Musiker anwesend waren. Es gibt einige Berichte, dass die Leute, die in den Anfängen vor dem Radio sassen, nach dem Konzert klatschten.

Die ursprüngliche Idee war gewesen, das Radio durch Werbung zu finanzieren – parteiliche Sendungen sollten keinen Platz bekommen! Als erfolgreiche eigene Gattung entwickelten sich Hörspiele, fast alles wurde live gesendet. Live-Reportagen wurden um 1930 populär. Die Radiogebühren wurden drastisch gesenkt, um (mit Erfolg!) den Schwarzhörern zu begegnen.

Das Aufkommen des Radios war verbunden mit erwartungsvollen Perspektiven in Bezug auf das kulturelle Leben, als Gegengewicht zum Nationalismus und als Mittel der Völkerverständigung. Bei der Eröffnung der Internationalen Funkausstellung 1930 in Berlin konnte man Albert Einstein überreden, nach Deutschland zu kommen und eine Rede zu halten. Er fasste seine Zuversicht in Worte: »… ermöglicht Demokratie, …erweckt die Völker aus klebriger Stumpfheit… wird dazu beitragen, das Gefühl gegenseitiger Fremdheit auszutilgen …«


Diese Erwartungen wurden bereits wenige Jahre später zerschlagen.

Wie schnell sich etwas Hoffnungsvolles ins Gegenteil verkehren kann, zeigt sich am Beispiel von Deutschland.

Die unheilvolle Entwicklung begann in Deutschland bereits 1926, der föderalistische gedachte Rundfunk verlor seine Unabhängigkeit, als durch eine neue Rundfunkverordnung der Rundfunk zentralisiert wurde. Es folgten Knebelverträge mit Zensur und Überwachungsausschüssen, die bereits in der Weimarer Zeit eingesetzt wurden. Der nächste Schritt unter die staatliche Kontrolle und in die Abhängigkeit war 1932 die Verstaatlichung aller Rundfunkhäuser. Liberale Kräfte wurden zum Rücktritt gezwungen, die Kontrolle durch die Machthabenden wurde durchgesetzt. 

Die folgenden Ereignisse sind bekannt. Bereits 1933 schrie Goebbels: »Der Rundfunk gehört uns.«


Zurück nach Buenos Aires: 

Der Rundfunk trug vermutlich zur Verbreitung des Tango mehr bei als das (relativ teure) Grammophon. In Buenos Aires soll es in der Epoca de Oro 25 Radiostationen gegeben haben, so viel wie in New York, eine Stadt, die dreimal grösser war (diese Zahlen für ca. 1935 und später). Die am meisten genannten Stationen waren Radio Splendid, Radio Belgrano, die erste Station, die bis spät in die Nacht sendete, und (ab 1935) Radio El Mundo. El Mundo war ein modern eingerichtetes Rundfunkhaus, das nach dem Vorbild von BBC London erbaut wurde. Das Radio sendete nicht nur auf Mittelwelle, sondern hatte auch einen zusätzlichen Kurzwellen-Sender, den man bei günstigen atmosphärischen Bedingungen von Zeit zu Zeit sogar in Europa empfangen konnte.

Auch in Buenos Aires waren die Radiostationen nicht unabhängig und wurden von den jeweiligen Machthabern instrumentalisiert. Unliebsame Oppositionelle und in Ungnade Gefallene durften nicht gespielt werden, Mitarbeiter in der falschen Partei wurden mit Berufsverbot belegt. (siehe auch Beitrag 6) Der Komponist Ariel Ramirez: »The Peronist government bought out the [radio] station [I worked for] and demanded employees sign a statement of political loyalty. I was an independent and my father was an active radicalista, so I was out of a job.« (nach Castro S. 210-13)


Aber heute – ist es da nicht viel besser? Die Gegenfrage, gerade angesichts der Ereignisse ab März 2020 und der täglichen angsterzeugenden Nachrichtensendungen: Haben wir wirklich eine unabhängige und rationale Berichterstattung? 

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. 

Hoffnung macht, dass mit der technischen Entwicklung es einfacher geworden ist, Radiosendungen zu erstellen und via Internet zu verbreiten.

Im ersten Teil spricht Reichsrundfunkkommissar Hans Bredow, ab ca. 4. Minute Albert Einstein. Seine Ausführungen über Demokratie und mehr gegenseitiges Verständnis ab etwa 6.40.

Tango-Radio

Hier könnt ihr bald die (werbefreien) Tangosendungen anhören,
die ich 2018 für einen Sender produziert hatte.
Viel schöne Musik, alles tanzbar,
im ersten Teil manche Geschichte
und Hintergrundinformation.
Jeweils eine Stunde lang.

'Sendungen’ über di Sarli, Pedro Laurenz und andere Orchester, einzelne Tangos werden besprochen, ergänzt mit kleinen Geschichten und Anekdoten rund um den Tango. 


Audios folgen

Alberto Podesta im Radio-Studio